Blog 26 | Indian Summer oder Zinsbuchherbst – Goldener Oktober in Ihrem Zinsbuch

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Indian Summer? Haben Sie das schon einmal erlebt; diese ungewöhnlich warme Wetterperiode im Spätherbst auf dem nordamerikanischen Kontinent? Dazu noch einen strahlend blauen Himmel, viel Sonne und einer besonders intensiven Blattverfärbung in den Laub- und Mischwäldern. Sieht toll aus! Aber es ist auch die Phase, die letztendlich die dunkle Jahreszeit einläutet. Wie Sie einen goldenen Herbst in Ihrem Zinsbuch erleben, lesen Sie hier…

Wie geht es Ihnen? So ein goldener Herbst ist quasi Gold wert. Noch einmal richtig Sonne tanken und die müde machenden Melatonin-Speicher entleeren, bevor die ganze Jahresendhektik losgeht und man frühmorgens ins dunkle Büro fährt um im Dunkeln dann wieder nach Hause zu fahren. Genießen Sie die schönen Tage. So golden und schön der Herbst meteorologisch auch ausfallen kann; beim Blick auf das Gesamtzinsbuch ergibt sich wahrscheinlich ein eher anderes Bild.

Novemberstürme in Ihren Zinsbuch?

Der periodische Zinsüberschuss bleibt weiter unter Druck und das Jahr ist schon beinahe rum, Irgendwie hatte man sich auf der Ertragsseite für 2017 mehr vorgenommen und der Schuh der Kostenbasis drückt weiterhin. Regulationsbedingt steht nicht nur  MiFID II nun unmittelbar vor der Tür und hat das Potential ebenfalls für Farbenspiele in Ihrer GuV zu sorgen. Der Subventionshebel der Kreditrisikovorsorge wird nächstes Jahr ganz sicherlich kürzer und die Bestandsabläufe im Kredit- und Eigenegeschäft werden so richtig spürbar. Klingt fasst so wie die Vorbereitung auf die dunkle Jahreszeit. Die Frage nach Lösungen ebbt nicht ab.

In Guter Gesellschaft – die Beschreibung des Status Quo

Im Oktober wurden wieder zahlreiche Berichte über das Eh und Weh in der Bankenbranche publiziert und diskutiert. Da wären beispielsweise die mittlerweile bekannten und etwas entschärften Ergebnisse der Niedrigzinsumfrage 2017 (vgl. auch Blog 25) oder der regelmäßig erscheinende Bundesbankbericht zur Ertragslage der deutschen Kreditinstitute. Beautiful ist anders.

Auch die renommierte Unternehmensberatung Bain & Company meldete sich mit ihrer Studie „Battle of the Banks“ zu Wort. Sehr interessant: Jede 4. Bank kämpft um das Überleben und der Zinsüberschuss ist unter Druck. Aha! Neu?. Das Beraterhaus Oliver Wyman findet in der Ausarbeitung „European Banking Agenda 2017- Leaving, Restructuring, Entering an New World“ heraus, das Banken sich noch nicht stark genug um Ihre Neuausrichtung kümmern, und immer noch ein Stück in der Vergangenheit agieren. Es wird langsam eng.

Die Spatzen auf den bunt gefärbten Herbstbäumen

Eigentlich ist es doch interessant dass mittlerweile nicht nur die Spatzen auf den buntgefärbten Herbstbäumen sondern fast alle „Fachexperten“ von der Notwendigkeit sprechen, bei den Banken das Ruder endlich herumreisen zu müssen… Digitalisierung, Automatisierung, Reduzierung Kostenbasis, EK-Entlastung, Regulation, Niedrigzins, Zahlungsverkehr, Fintech-Kooperationen, Provisionsbasis etc., echt disruptiv.

Strategie – und der Wald vor lauter Bäumen wird unsichtbar

Extrem viele strategische Baustellen. Strategisch ist da einiges zu tun. Lesen wir zumindest in jeder Studie. Absolut korrekt. Doch vor lauter strategischen Diskussionen sollten operative Themenfelder oder ganz einfach grundlegende Anforderungen nicht unbedingt hinten herunterfallen. Immerhin beklagen zahlreiche Häuser, das man vor lauter strategischen Diskussionen das Geld verdienen vergisst. So beginnen zahlreiche Häuser nun Ihre Schwachstellen aufzuschreiben, zu katalogisieren oder das Wunschbild zu diskutieren. Interessant aber irgendwie auch spät.

Der Ertrag von heute ist der Handlungsspielraum von morgen

Immerhin herrscht ein gewisser Ertragsdruck vor und das aktuelle Umfeld bietet auch Chancen. Und diese Chancen werden wir in Zukunft herbei sehnen, Quasi, wenn es Brei regnet, darf oder muss man auch den Löffel heraushalten. Vor allem sollte man wissen was man im Sinne des Risikoappetit, der Risikotragfähigkeit und des Produktkataloges will , kann und darf (vielleicht auch muss). Keine Angst es folgt keine Tirade auf den Handel und hochriskante Tradingstrategien. Es geht darum, zunächst das Eigengeschäftsbuch zu nutzen um durchs flache Gras zu kommen. Quasi sich Zeit kaufen, die die Stabilisierung/ Transformation des Geschäftsmodells benötigt.

Das schwächste Argument Ertrag? Schaufeln Sie rein was geht!

Natürlich wissen wir, dass Ertrag eigentlich das „schwächste Argument ist“. Immerhin werden Sie für 1 Mio. Mehrertrag nicht in den Himmel gelobt, hingegen bei „aktiv produzierten“ Verlusten, wahrscheinlich gevierteilt. Brauch kein Mensch, oder?

Wahrscheinlich doch, denn der Ertrag von heute ist das Eigenkapital von morgen ist Ihr Handlungsspielraum von Übermorgen. Also schaufeln Sie rein was geht, Sie brauchen die Erträge zur Finanzierung Ihres Geschäftsmodells. Oberste Prämisse ist jedoch die Risiken zu jedem Zeitpunkt zu beherrschen. Quasi ein intelligentes in die integrierte Gesamtbanksteuerung eingebettetes Asset Liability Management. Ja auch als kleine Bank. Verständlicherweise erfordert dies bei Führungskräften, Mitarbeitern neue nicht nur fachliche Fähigkeiten, Arbeitsansätze und Partnerschaften. Nur so werden Sie es schaffen, die Opportunitäten für sich zu nutzen. Und es gibt Opportunitäten um durchs flache Gras zu kommen. Ein paar kleine Auszüge:

Trotzdem ein paar Denkanstösse

Die neue Assetklasse Refinanzierung 
Stellen Sie sich ein Wertpapierportfolio – vereinfacht als gleichverteilte Laufzeiten- zusammen, refinanzieren Sie das Depot über einen Refinanzierungsmix aus Tagesgeld und Repos und lassen Sie das Ergebnis auf sich wirken. Der originäre Zinsertrag – also der Ertrag aus den Kupons Ihrer Aktivseite – ist der geringste Teil. Der Hebel liegt in der Refinanzierung.

Keine unbedingt hoch wissentschaftliche Erkenntnis, aber dennoch sehr interessant. Die Frage ist doch, wie kann man das Ganze nutzen. Mit den richtigen Produkten (Repo, TRLTRO, Leihe, EONIA-Swap) bestehen Möglichkeiten, auch ohne zu stark ins ZÄR zu gehen.

Die Immer noch steile Zinskurve
Regelmäßig wird das aktuelle Niedrigzinsniveau diskutiert. Klar, die „Windfall-Profite“ aus der Veranlagung der Eigenmittel fehlen im Strukturbeitrag natürlich. Aber ein hohes Zinsniveau sorgt noch nicht automatisch zu hohen Zinsüberschuss. Vielmehr ist die Steilheit der Zinskurve der interessantere Teil. Aktuell sehen die Zinsdifferenzen auf der Euro-Zinskurve mit 108 BP (2s10s), 65 BP (5s10s) oder gar ausgesuchte Zinsdifferenzen gegen 6-Monatsgeld gar nicht so schlecht aus. Noch sind die Zinskurven eher Steil und diese ist nutzbar. Möglicherweise nicht über SREP-schädliche direktionale Positionierung vielmehr über weitgehend ZÄR-freie (Parallelshift) Investitionen. Schauen Sie über den Teich: Dort notiert die Zinsdifferenz 2 gegen 10 Jahre mittlerweile bei nur noch 48 BP – eine sehr flache Kurve. Es kann also nicht Schaden, sich die steilen Euro-Zinskurven -und damit den Zinsüberschuss- für die Zukunft zu sichern.

Schöne Einstandsätze bei US-Zinsen bei gleichzeitig hohem Euro – Bevor Sie Jetzt gleich abwinken. Es geht hierbei nicht um die Übernahme von Fremdwährungsrisiken, sondern um die Vereinnahmung einer Fristentransformationsmarge in Fremdwährung. So befindet sich beispielsweise die US/ Euro-Zinsdifferenz bei 2 jährigen Zinsswaps auf einem Extrem-Niveau (Grafik). Während die FED weiter in Tippelschritten agiert und Yellen wohl ihre letzten Zinserhöhungen vorbereiten darf, steht die EZB eher vor dem Einstieg in den Ausstieg Ihrer ultraexpansiven Zinspolitik. Die vorgeschlagene Position bringt Carry, ist relativ ZÄR arm und stellt einen gewissen Hedge gegen den EZB-Exit oder einer Konjunkturabkühlung in USA dar. Auch ein Rückgang des Euro macht sich positiv bemerkbar.

Bei den Staatsanleihen und Pfandbriefen existieren ebenfalls Opportunitäten. Doch die Identifizierung ist nicht ganz einfach.

Haben Sie irische oder portugiesische Staatsanleihen, Österreicher oder französische Titel im Buch? Vielleicht agieren Sie auch in Bundesländern, EFSF Bonds oder europäischen Covereds und Unternehmensanleihen? Erfahrungsgemäß bestehen hier zahlreiche Ansätze zur Optimierung von Risk, Return und RWA´s.

Ein kleines Beispiel: Österreich sorgte in der jüngsten Vergangenheit mit Ihrer 100jährigen Kapitalmarktaufnahme für Furore. Im Zuge dessen kam es nachvollziehbarer Weise aiúch zu Anpassungen bei der Gesamtrenditekurve. So bewegt sich die Zinsdifferenz zwischen 10 und 30 jährigen Austria-Bonds derzeit auf dem absoluten High (rund 100 BP) der letzten 5 Jahre. Warum switchen Sie Ihre 10jährigen Österreicher nicht in ein geringeres Volumen 30jähriger. Mit besserem Assetswapspread, höherer Verzinsung, höherer Konvexität und Entlastung der Risikobudgets und das ganze mit Mehrertrag. Zwar nur ein einfaches aber ertragreiches und damit dankbares Beispiel. Interessant wird’s bei systematischer Aufarbeitung des Portfolios, das macht Lust auf mehr. Versprochen.

Um den strategischen Blick nicht zu verlieren. Die Welt am Kapitalmarkt scheint derzeit in Ordnung. Woher soll denn Ungemach drohen? Aussitzen eine echte Option?

Der Anfang kennt das Ende nicht…

Aber Achtung auch der schönste goldene Herbst endet in der Regel mit Regen, Sturm oder Schnee. Haben Sie die richtigen Produkte, Methoden- & Fachskills griffbereit und funktionsbereit? Nutzen Sie das ruhige Umfeld. Wir helfen Ihnen gerne. derivatexx | systematisch, diszipliniert, transparent.

Schauen Sie doch einfach auf unserer Website www.derivatexx.de vorbei. Stöbern Sie in unserem interessanten Weiterbildungskatalog zu den Themen Treasury und Gesamtbanksteuerung oder rufen Sie uns einfach an. Eines versprechen wir Ihnen. Mehr Praxis geht nicht! Bleiben Sie erfolgreich.

Ihr Dennis Bach