Blog 11 | „Erstens kommt es anders und zweitens: Als Du denkst.“ – Be prepared!

Der Spruch ist wohl hinlänglich bekannt und wahrscheinlich hat man das Ganze auch schon selbst erlebt. Ob im Treasury-/Gesamtbankbusiness, im Unternehmertum oder ganz Privat. Man hat sich eindeutig positioniert, fühlt sich sicher und plötzlich gehen die anfangs so klaren Pläne nicht auf: Es kommt ganz anders, als man es sich vorgestellt hatte. Tja und plötzlich ist das erhoffte Ziel in weiter Ferne und sogar der als sicher geglaubte Erfolg in Gefahr. So gilt, gut beraten ist, wer in Szenarien denkt: Immerhin wollen Sie nicht nur im BestCase sondern in allen Szenarien „überleben“. Wie steht es um Ihr Zinsbuch?

Schauen wir auf die jüngere Vergangenheit. Die EZB hält ihre Schleusen offen, der Niedrig- und Nullzins regiert die Welt und die Forwards implizieren die Nullzinsphase hält noch mindestens 3 Jahre an. Gut nachvollziehbar, die realisierten und aktuellen Inflationsraten sind ja kaum spürbar, die EZB kauft munter Wertpapiere, die Rohstoffpreise sind tief und die Weltkonjunktur schaltet nicht nur chinabedingt einen Gang zurück. Mittlerweile ist zu hören die Aktien sind in einem Bärenmarkt, und, und, und…

Die Mehrzahl ist sich einig: Die Zinsen bleiben tief, kein Grund und zur Sorge.

Verständlicherweise ist auch in der Gesambank- und Treasury-Steuerung dieses Umfeld und die Erwartungshaltung spürbar. So wurden über zahlreiche Planszenarien mittlerweile das Niedrigzinsumfeld berücksichtigt. Und so scheint mittlerweile die erwartete Unwägbarkeit „langandauerndes Niedrigzinsumfeld“ hinreichend bedacht. Nur der Vollständigkeitshalber: Dies bedeutet nicht, dass es für dieses Szenario bereits Lösungen gibt, sondern nur dass sich das Gros auf dieses Szenario konzentriert. Aber „Erstens kommt es anders und zweitens: Als Du denkst.“

Mittlerweile hat sich das frühere Risikoszenario „Langandauerndes Niedrigzinsniveau“ zum Hauptszenario entwickelt. Es stellt sich somit die Frage, welche weiteren Neben- oder Risikoszenarien bestehen. Und vor allem wie diese beherrscht werden können. Möglicherweise bestehen Handlungsoptionen das aktuelle Marktumfeld zur ökonomisch sinnvollen oder gar notwendigen (Teil)absicherung des Zinsbuches/ Depot A zu nutzen.

So scheint klar: Irgendwann wird das Zinsniveau auch wieder steigen. Und im Ergebnis sollte sich die Ertragslage auf einem höheren Zinsniveau auch verbessern. Vor dem Lohn steht aber sicherlich eine schwierige Übergangs- und Anpassungsphase, die es zu überstehen gilt. Sie müssen die Anpassungsphase auch überstehen. Sicherlich alles andere als leicht.

Beschäftigen Sie sich bereits heute mit der Zukunft und Fragen sie sich:

  • Wie stellt sich die Gesamtgemengelage in Ihrem Depot A/ Gesamtzinsbuch im Zuge eines schnellen starken Zinsanstieges dar?
  • Wie entwickeln sich Ihre Reserven?
  • Ergeben sich Abschreibungen? Oder Auswirkungen auf die verlustfreie Bewertung des Bankbuches?
  • Welche Folgewirkungen ergeben sich hinsichtlich Collateralstellungen oder welche Wirkungsketten entfalten hinischtlich Beleihbarkeit Ihres EZB-Dispodepots?
  • Kommt es im Zuge eines Zinsanstieges zu Sensitivitätsveränderungen in Ihrem Gesamtzinsbuch beispielsweise durch Konvexitätsanpassungen oder Anpassung des Kundenverhaltens?
  • Und welche Auswirkungen/ Steuerungsbedarf erwarten Sie im Zusammenhang mit Ihren zinsveribalen Einlagenbeständen? Fragen gibt es sicherlich genug.

Im Zuge eines Brain-Stormings im Expertenkreis hinsichtlich anderer möglichen neuen Risikoszenarien und Wirkungsketten ergeben sich möglicherweise interessante Handlungsoptionen zur Teilabsicherung. Ganz bestimmt!

Ein Paar Gedanken:

  • Die Zinsen bis in den 5jährigen Bereich (Zinsswaps) sind nahezu negativ. d.h. es besteht die Chance sich auf einem extrem günstigen Zinsniveau langfristig abzusichern.
  • Auch sehr kurzfristige Absicherungen über beispielsweise 1 oder 2 jährige Payer-Swaps (Zinsswaps oder EONIA Basis) erscheinen hochinteressant.
  • Auch ultralange Absicherungen auf Forwardbasis erscheinen hochinteressant. So können hier teilweise 20jährige Absicherungen unter 1% erzielt werden. Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Swaptions erzielen hier teilweise sehr opportune Ergebnisse hinsichtlich Absicherungskosten. Ja auch das aktuell vermeintliche ungünstige Niedrigzinsumfeld bietet auch seine Chancen.
  • Auch Bunds haben sich im Zuge der aktuellen Turbulenzen und EZB-Käufe wieder deutlich verteuert. So erscheint es aktuell sinnvoll, das Depot wieder etwas mehr in Richtung Covereds, möglicherweise auch in Richtung Senior unsecured zu positionieren. Und nebenbei realisieren Sie auch noch Reserven durch den Verkauf negativ rentierlicher Staastanleihen.

Und nun noch die Einlagensteuerung…

Hinsichtlich Ihrer Einlagensteuerung können ebenfalls Überlegungen angestellt werden. So wäre letztendlich die Frage zu klären, in welchem Ausmaß im Umfeld steigender Sätze das Einlagenvolumen stabil bleibt oder abfließt und welche Maßnahmen zur Steuerung und Stabilisierung/ Sicherung des Konditionenbeitrages (Passiv) in einem solchem Szenario notwendig werden können. Erfahrungsgemäß dürften Konditionserhöhungen auch außerhalb der bisher angewandten“ Modelle notwendig werden. Das aktuelle Umfeld bietet hier interessante Chancen zur (Teil)Absicherung über Caps und Swaptions. Die Zeit scheint reif.

Mental in der Zukunft – sind Sie vorbereitet?

Denken Sie hierbei nicht nur an die Absicherung der Risiken. Denken Sie auch an die notwendigen Umsetzungsschritte. Den notwendigen Informationen, Produkte und Prozesse die Sie letztendlich zur Identifizierung, Steuerung und Umsetzung benötigen. Beginnen Sie sofort. Auch wenn alles noch ruhig ist. As u Know: Erstens kommt es anders und zweitens: Als Du denkst.“ Glauben Sie mir.

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Blog 10 | Just Eleven to go – vom Zeitwert des Zinsbuches

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Relativ betrachtet ist das Jahr noch Jung. Jung genug um Ihre Ziele und Vorsätze umzusetzen. Aus der absoluten Perspektive jedoch, ist bereits ein Monat vergangen. Dies bedeutet noch 11 Monate Zeit um weiter systematisch und fokussiert am Zinsüberschuss und an  ihren Jahres- und Unternehmenszielen zu arbeiten.

Themenstellungen gibt es genug wie: dem Zinsüberschuss, ihrem Strukturbeitrag, Provisionsbeiträgen, ihren laufenden Projekten zur Verbesserung der Ablaufprozesse, der Erweiterung des Produktkataloges und vor allem der Verbesserung Ihrer eigenen Unternehmenskennzahlen – nämlich Ihrer eigenen fachlichen Skills oder Führungsqualitäten. Zu tun gibt es genug.

PRT – Performance – Risiko – Treasury? Nein Pro-Rata-Temporis!

Treasury-, Bank- und Kapitalmarktgeschäft bezeichne ich gerne als „Pro-Rata-Temporis-Geschäft“. Hintergrund ist, dass zur Erreichung der relevanten Ergebnisgrößen (z.B: Zinsüberschuss) untrennbar ein notwendiges Zeitbudget verbunden sein muss. So ergibt sich beispielsweise der Zinsüberschuss letztendlich aus der Formel Zins x Zeit. Heisst: Je früher Sie mit Maßnahmen zur Stabilisierung des Zinsüberschusses oder anderer Ergebnisbeiträgen beginnen (und auch durchhalten), desto stärker dürften sich Ihre Bemühungen in erfreulichen Zahlen niederschlagen.

Der Zeitwert des Zinsbuches

Die angeführten Ausführungen sind nicht neu und höchstwahrscheinlich auch nicht nobelpreisverdächtig, aber stimmen tun Sie doch alle mal. So ist Zinsüberschuss nun mal über die Zeit ( & Zins) zu erreichen und auch Neue Produkte Prozesse benötigen Ihr Zeitbudget. Auch und vor allem die Diskussion von Fachthemen, Handlungsoptionen und Lösungsmöglichkeiten wie auch die eigene Weiterbildung benötigen Zeit.

Ein Blick in Ihr Zinsbuch

Betrachten wir uns das Zinsbuch. Im Januar sind sicherlich auch in Ihrem Zinsbuch hochverzinsliche Bestände fällig geworden. Zudem ist unschön, dass die bereits fällig gewordenen und auch künftig fällig werdenden Kupons in Ihrer Höhe kompensiert werden müssen.

Bleibt die Frage inwieweit das entstehende Zinsüberschuss-Gap beispielsweise über eine Anpassung der Volumen und Laufzeiten kompensiert werden kann.

Losgelöst von regulatorischen und risikorelevanten Kenngrössen scheint klar, dass zur Kompensation der Zinsüberschussgaps mittlerweile deutlich längere Laufzeiten und betragsmäßig deutlich höhere Investitionen erfolgen müssen.

In einem typischen Zinsbuch dürften mittlerweile die letzten 5%-Kupons aus der Hochzinsphase 2008 fällig geworden sein oder noch fällig werden. Möchte man das schwindende Zinsergebnis durch Veranlagungsmöglichkeiten auf der aktuellen Zinskurve (Swapkurve) kompensieren sind je nach Laufzeitenpräferenz Volumenserhöhungen zwischen dem Faktor 55 (bei 5 jährigen) und 4 (bei 30jährigen) notwendig. Zinskurvenbedingt liefern nur noch lange Laufzeiten einen wahrnehmbaren Beitrag zur Zinsergebnisstabilisierung. Allerdings mit massiven Auswirkungen auf das laufzeitenbedingt deutlich erhöhte Zinsänderungsrisiko.

Eine Kompensation ausschließlich erhöhte Veranlagungsbeträge und über das Zinsrisiko scheint deshalb kaum darstellbar oder zielführend.

Die Beimischung von Credits

Fraglich ist inwieweit die Beimischung von Spreadprodukten als eine sinnvolle Handlungsalterative zur Stabilisierung des periodischen Zinsüberschuss darstellen kann.

Das derivatexx | Zinsüberschuss-Gebirge zeigt die Ergebnisbeiträge verschiedener Credit-Investitionen. Das ganze auf ein einheitliches PV01-Budget kalibriert. So werden Investments auf der Credit und Zinskurve vergleichbar. Eine hervorragendes Monitoring Tool.

Hier zeigt sich ein gemischtes Bild. So können mit Hilfe von Spreadaufschlägen ungedeckter Bankanleihen die Zinsergebnisbeiträge zwar deutlich stabilisiert werden, der Risikotoleranz des Top-Management und die vorherrschenden Risikotragfähigkeiten dürften und werden hier insbesondere hinsichtlich des Adressrisikos aber als stark limitierender Faktor gelten.

Duration, Credit, Forward, Vola – der Vierklang des Erfolgs

Neben Duration und Credit lohnt es sich, den Blick auch auf die Forwards bzw. auf die Volatilitätskomponenten zu richten. So bieten mittlerweile wieder deutlich gestiegene Zinsvolatilitäten interessante Handlungsalternativen zur Stabilisierung des Zinsergebnisses.

So können die Zinsvolatilitäten beispielsweise zum Verkauf von Payer-Swaptions – quasi zur Monetarisierung der Zeitkomponente- genutzt werden. Ergebnis sind zinsergebnisstabilisierende Prämieneinahmen und das Ganze bei ähnlichem Marktverhalten und Risikoposition im Vergleich zu einer „normalen“ Longposition. Wetten?

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass regelmäßig die Prämieneinnahmen mehr abwerfen, als der Transformationsbeitrag im Zinsswaps innerhalb eines Jahres generiert. Kein schlechtes Risk/ Return-Verhältnis? In jedem Fall wert, der Sache auf den Grund zu gehen. Ziele wollen schließlich erreicht werden.

Einfach war gestern – Kombinieren Sie!

Kombinieren Sie die 3 Sichtweisen ergeben sich zahlreiche Handlungsoptionen zur Steuerung Ihres Zinsbuches/Portfolio und Stabilisierung Ihres Zinsergebnisses. Nicht ganz trivial aber immerhin sehr zielführend und vor allem beherrschbar.

Sie finden die Anregungen interessant oder haben Fragen? Überlegen Sie nicht zu Lange, wie gesagt ein zwölftel des Jahres sind bereits verstrichen. Denken Sie an PRT.

Aber wo, wie und wann beginnen? Die Herausforderungen sind groß, die Themenstellungen zahlreich und die Zeitbudgets zu knapp. Gibt es ein Vorgehensmodell was schnelle Hilfe verspricht?

Wer will findet Wege – derivatexx | Praxis gelebt nicht doziert!

Mit unserem FachCoaching Treasury oder einem speziell auf Ihre Themenstellungen zugeschnittenen Praxisworkshop zur Stabilisierung des Zinsergebnisses kommen Sie schnell voran.  Und wenn Sie es wünschen helfen wir Ihnen im Rahmen eines Interim Mandates.

Ideen und Handlungsalternativen zur Stabilisierung des Zinsergebnis, Verbesserung der eigenen Unternehmenskennzahlen, systematische Befassung mit ihren Themenstellungen die einen hohen Lösungsdruck erfordern und einem Sparringspartner.

Ein Schritt in die richtige Richtung, Immerhin, denn time is running out fast.

Bleiben Sie erfolgreich

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